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Erfolgsgeschichte aus dem Nichts

Anfangs der Neunzigerjahre stieg die Arbeitslosenquote in der Schweiz auf ein Ausmass, das die erwerbstätige Generation vorher nicht kannte. Das Konzept der Velo-Recycling-Werkstatt Drahtesel wurde von Paolo Richter aus der Not entwickelt. Ohne Kapital und ohne Lobby.

Die damalige Stiftung für Berner Obdachlose sieht sich anfangs der Neunzigerjahre mit der zunehmenden Schwierigkeit ihrer KlientInnen konfrontiert, einen Job zu finden. Während sie sich zuvor mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen konnten, fehlt ihnen nun jegliche Tagesstruktur. Daraus entwickelt sich die Idee nach einem ersten Arbeitsprojekt für Benachteiligte.

Als einer der jüngsten Mitarbeiter, der gerade im Rahmen seines Uni-Studiums ein Praktikum in der Stiftung absolviert hat und dann als Betreuer in der WG Weierbühlweg 4 in Köniz arbeitet, wird Paolo Richter von der Stiftung für den Projektaufbau angefragt. Aus seiner privaten Passion, dem Velorecycling, erwächst ein Konzept.

Das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit KIGA, die Gemeinde Köniz und der Velogewerbeverband sichern ihre Unterstützung zu. Die Glückskette und private Stiftungen können für wichtige Startbeiträge gewonnen werden. Nach nur drei Monaten Vorbereitungszeit eröffnet die Velorecycling-Werkstatt Drahtesel im Oktober 1993 in einer verlassenen Fettfabrik im Liebefeld ihren Betrieb. Vier Erwerbslose starten darin mit je 60 Stellenprozenten. Schon bald verlässt der erste Container randvoll mit recyclierten Velos die Werkstatt nach Ghana.

Die Resultate sind derart positiv, dass das Projekt kontinuierlich ausgebaut wird: In acht Etappen werden die Arbeitsplätze von 2,4 auf heute rund 60 erhöht. Dabei wird das Angebot laufend neuen Zielgruppen zugänglich gemacht. Die ursprüngliche Zielgruppe der besonders Benachteiligten ist nur noch eine von vielen; gerade die Durchmischung bewährt sich gut. Parallel dazu erweitert und professionalisiert sich das Betreuungsteam. Bedingt durch die ständige Weiterentwicklung platzt der Drahtesel immer wieder fast aus allen Nähten.

Als Partner der ersten Stunde mit dabei ist Christian Fetz, der den Aufbau und die rasante Entwicklung des Drahtesels massgebend mitprägt: Von 2000 bis 2003 als stellvertretender Geschäftsführer, von 2003 bis 2005 als Mitglied der Geschäftleitung und seit dem Zusammenschluss von Gumpesel und Drahtesel als Leiter Betriebe von Gump- & Drahtesel.

Die Nutzungsfläche vergrössert sich von ursprünglich 150 Quadratmetern auf heute 2000, davon sind die Hälfte Lager. Der Aufbau eines überregionalen Velorecycling-Netzes mit über 30 PartnerInnen schafft auch bei den Sammelstellen vor Ort neue Arbeitsplätze.

1996 kommt zusätzlich die Idee der Recycling-Produkte auf: Erste Gürtel, Finger- und Ohrringe aus alten Fahrradteilen entstehen.

1997 wird das Schwesterprojekt Spielzeugrecycling-Werkstatt Gumpesel eröffnet. In dessen Laden Pico Bollo am Berner Bollwerk 35 erhält RecycleArt aus dem Drahtesel fortan einen festen Platz im Sortiment. Aus der Stiftung für Berner Obdachlose wird die Stiftung für Berner Wohn- und Arbeitsprojekte.

1999 wird das 10 000ste Drahtesel-Velo nach Afrika verschifft.

2002 entsteht der 100ste Arbeitsplatz beim Drahtesel-Partner in Burkina Faso. Und das Entwicklungspotential ist noch lange nicht ausgeschöpft…

Im Juni 2005 werden Gumpesel und Drahtesel am bisherigen Standort des Drahtesel in Bern-Liebefeld geografisch und logistisch unter einem Dach zusammengeführt. Die natürlich gewachsenen Unternehmenskulturen der beiden Betriebe sollen dabei fortbestehen und gleichzeitig neues Potential für künftige Entwicklungsschritte erhalten. Die beiden Unternehmen werden weiterhin vom Gesamtleiter Paolo Richter gegen aussen vertreten. Der Pico Bollo-Laden von Gump- & Drahtesel wird mit seinen Verkaufsaktivitäten und Verkaufsprogrammen am bestehenden Standort am Bollwerk in Bern weitergeführt und ausgebaut.

 
 
 
 

 

   
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